| Interview mit Verbands-Spielleiter Josef Janker zur Regionalliga-Reform und den BFV-Antrag für den DFB-Bundestag am 22. Oktober.
Herr Janker, der Bayerische Fußball-Verband hat für den DFB-Bundestag am 22. Oktober in Essen einen Antrag zur Regionalliga-Reform eingereicht. Warum?
 Josef Janker: Zum einen haben wir auf dem Verbandstag im Juli einen klaren Auftrag bekommen, uns dieses Themas anzunehmen. Schließlich haben die Bayernligisten einen Dringlichkeitsantrag gestellt, die Regionalliga zu reformieren und dieser Antrag wurde mit einer deutlichen Mehrheit angenommen. Zum anderen sehen natürlich auch wir die Probleme der Vereine. Einerseits der Vereine, die in der Regionalliga spielen und andererseits der Vereine, die in der Bayernliga spielen und es sich sehr genau überlegen, ob sie bei einer sportlichen Qualifikation überhaupt in dieser Liga spielen wollen.
Welche Probleme meinen Sie konkret?
Josef Janker: Sehen Sie, um in der Regionalliga anzutreten, müssen die Vereine ein aufwendiges Lizenzierungsverfahren durchlaufen, höchsten Ansprüchen genügen was Finanzierung und Organisation angeht. Die Vereinsstrukturen müssen in vielen Bereichen professionalisiert werden und nicht zuletzt muss zum Beispiel auch das Stadion den höheren Sicherheitsstandards angepasst werden. In der Regel heißt das für die Vereine bzw. auch die Städte, in denen der Verein beheimatet ist, einen enormen finanziellen und organisatorischen Aufwand. Auf der anderen Seite ist die Attraktivität der Liga durch ihre Struktur nicht so hoch, dass dies alles problemlos zu bewältigen wäre. Hier herrscht ein Ungleichgewicht und folglich ein Risiko für den, der in dieser Liga spielt.
Welches Risiko?
Josef Janker: Man darf nicht immer nur das Hier und Jetzt sehen, sondern muss auch mal ein paar Monate und Jahre weiterdenken. Es gibt in Bayern genügend Beispiele, bei denen sich ein ambitionierter Verein für die Regionalliga qualifiziert hat, dann aber doch einsehen musste, dass diese Liga für den Verein nicht auf Dauer zu stemmen ist. Normalerweise steigt der Klub dann ab und startet eine Liga tiefer einen neuen Anlauf. Hier haben wir aber das Problem, dass bei diesen Klubs aufgrund der getätigten Investitionen oft solche Altlasten mit nach unten genommen werden müssen, die den Verein auf Jahre belasten, schlimmstenfalls in die Insolvenz treiben. Das kann keine Option sein.
Zeigt der FC Memmingen denn nicht gerade, wie es funktionieren kann?
Josef Janker: Es ist herausragend was dort gerade geleistet wird. Keine Frage. Man hat sich dort wohlgemerkt im erst dritten Anlauf dafür entschieden, es in der Regionalliga zu probieren. Zweimal zuvor hat der Verein dankend abgelehnt. Und in der Zwischenzeit hat der Verein Strukturen geschaffen, mit denen die Liga vielleicht zu bewältigen ist. Ich sage vielleicht, denn man hat sich in Memmingen ganz bewusst dagegen entschieden, nach dem Aufstieg Unsummen in den sportlichen Bereich zu stecken und jeden Cent dreimal umgedreht, bevor er ausgegeben wurde. Die Verantwortlichen dort wollen mit allen Mitteln genau das Szenario vermeiden, das ich gerade beschrieben habe. Der Verein soll konkurrenzfähig bleiben, sollte es wieder nach unten gehen. Momentan geht das Konzept auch voll auf und der Verein steht auch sportlich gut dar. Dafür, wie gesagt, mein größter Respekt. Aber zum einen ist jetzt noch zu früh um zu sagen, ob es am Ende reicht, die Liga überlegt aber auf Sparflamme anzugehen und zum anderen muss die Frage erlaubt sein, ob es sinnvoll ist, in eine Liga aufzusteigen, in der der Verein von vornherein gezwungen ist, mit angezogener Handbremse zu arbeiten, weil das Risiko, nach einem Abstieg in ein Loch zu fallen, zu groß ist?
Dann ist für diesen Verein halt nicht mehr drin, werden viele sagen.
Josef Janker: Unter den gegebenen Voraussetzungen derzeit nicht. Aber genau das ist der Punkt. Welcher Verein ist das denn dann? Und es muss ja nicht weiter so laufen. Wir denken, dass es möglich ist, für eben solche Vereine wie Memmingen oder die SpVgg Weiden, die ich hier nicht vergessen will und natürlich unsere Spitzenteams in der Bayernliga, eine Liga zu schaffen, die sportliche Attraktivität, finanzielle Machbarkeit und nicht zuletzt optimale Talentförderung vereint. Durch die Deutsche Amateurmeisterschaft wird beispielsweise ein neuer hoher sportlicher Anreiz geschaffen, der die Spielklasse auch bei einem Ligaverbleib aus wirtschaftlichen Gründen attraktiv macht und zudem neue Optionen in der Vermarktung bietet. Und die Talentförderung auf Top-Niveau kommt ja auch direkt wieder den Profi-Vereinen zugute, die im Grunde genommen an der aktuellen Regelung festhalten wollen – mit Modifizierungen bei der Lizenzierung. Aber wo kommen denn die Profi-Fußballer her? Die wurden nicht alle in den Stadien der Lizenzklubs geboren. Es gilt hier, nicht gegeneinander zu arbeiten, sondern gemeinsam mit allen Beteiligten eine sinnvolle Lösung zu finden und wir sind der Meinung, dass wir mit unserem Antrag nicht nur konstruktiv dazu beitragen, sondern einen Vorschlag unterbreiten, der trag- und zukunftsfähig ist.
Bildrechte und Interview: BFV 
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