Interview mit Uwe Neunsinger, Trainer bei der TSG Thannhausen | ||||
| 25.02.2010 | ||||
| ![]() Uwe Neunsinger ganz links mit seinem Team nach der gewonnenen Schwäbischen Hallenmeisterschaft SchwabenSoccer: Herr Neunsinger, sie sind ja seit kurzem Trainer bei der TSG Thannhausen (Anm. der Redaktion: Uwe Neunsinger kam in der Winterpause und löste Markus Pleuler ab). Was war der ausschlaggebende Grund, dass sie zur TSG Thannhausen gewechselt sind? Uwe Neunsinger: Letztlich hatten wir in den letzten 5-6 Jahren immer wieder Kontakt. Das erste Aufeinandertreffen war 2004 bei der Bayerischen Hallenmeister, als die TSG gegen meine damalige Mannschaft, SC 04 Schwabach, in der Halle in derselben Gruppe war. Seit dem ist der Kontakt nie abgerissen. Ich habe dann mit dem SV Seligenporten in der Bayernliga gegen die TSG gespielt. Ich habe mit Oliver Schmid (Anm. der Redaktion: Trainer bei der TSG Thannhausen zwischen Mitte 2001 und Mitte 2009) und Graf von Schönborn (Anm. der Redaktion: heute Gesellschafter der Fußball GmbH und Ehrenvorsitzender) ein sehr gutes Verhältnis gehabt und in den letzten Jahren gepflegt. Graf von Schönborn (Bildrecht: TSG Thannhausen) Und als die Situation jetzt „bißerl“ schwierig wurde und die TSG einen bayernligaerfahrenen Trainer gesucht hat, sind sie dann anscheinend auf mich gekommen. Von daher haben wir das in diese Richtung laufen lassen. SchwabenSoccer: Laut diversen (Presse-)mitteilungen werden sie angeblich auch weiterhin ihren Heimatverein, den ASV Vach in der BOL Mittelfranken betreuen. Stimmt das? Uwe Neunsinger: Das stimmt nicht. Beim ASV Vach wurde ein Spielertrainerpaar installiert, weil es sonst zeitlich gar nicht möglich ist zwei Mannschaften zu trainieren, da ich 5 Tage in der Woche in Thannhausen bin. Da kann man vor Ort dann keinen anderen Verein trainieren. Weil ich über 10 Jahre in Vach mit Unterbrechungen war, habe ich gesagt: wenn die beiden Hilfe brauchen oder ich einmal vor Ort bin und die beiden Hilfe brauchen, dann kann ich ihnen ein Tipp geben. Die beiden trainieren und stellen aber die Mannschaft auf. SchwabenSoccer: Man kann also sagen, dass sie beim ASV Vach nur in beratener Funktion tätig sind? Uwe Neunsinger: Ja das ist richtig, nur in beratender Funktion. SchwabenSoccer: Kommen wir doch zur Mannschaft. Welche Situation haben sie eigentlich bei ihrem Amtsantritt vorgefunden bzw. in welcher physischen und psychischen Verfassung war aus ihrer Sicht die Mannschaft? Uwe Neunsinger: Ja, psychisch war natürlich eine gewisse Verunsicherung bei dem Vorrundenverlauf da. Man hat zu Ende der Serie 4 Spiele in Folge nicht mehr punkten können. Physisch gesehen haben wir die wenigsten Probleme. SchwabenSoccer: Sie haben ja mit dem Erringen des Schwäbischen und Bayerischen Hallenmeistertitels in diesem Winter einen sehr erfolgreichen Einstand feiern können. Wie war die Gefühlsage nach diesen Erfolgen? Uwe Neunsinger: Ich bin ein Verfechter des Hallenfußballs und. spiele mit meinen jeweiligen Mannschaften sehr gerne in der Halle mit. Ich habe schon zweimal vorher, 1999 und 2000, mit Quelle Fürth und dem ASV Vach die Bayerische Meisterschaft auch gewonnen. Es war natürlich schön, dass vor meiner Haustür in Erlangen ein Bayerischer Hallenmeistertitel gelungen ist. Für mich bzw. uns war es natürlich bei der Schwäbischen Endrunde auch wichtig zu sehen, dass wir dort mit einem Spielermaterial, wo wir nicht top besetzt waren, mit Organisation und einer taktischen Treue viel erreichen konnten. Diese Sachen muss man jetzt mit aufs Feld hinausnehmen bzw. übertragen, auch wenn es ein anderes Spiel ist. Wenn wir diese Grundtugenden auf dem Feld zeigen, dann haben wir eine Chance. SchwabenSoccer: Etliche Spieler haben die TSG Thannhausen in der Winterpause verlassen, eine Vielzahl von Spielern hat sich der TSG Thannhausen in der Winterpause angeschlossen. Gab es Spieler die auf ihrer „Wunschliste“ standen ? Uwe Neunsinger: Eine Vielzahl von Spielern angeschlossen sehe ich nicht so. Wir haben ja eigentlich nur zwei Stück mit Marco Küntzel (FC Augsburg) und Patrick Neumann (SV Darmstadt 98, beide zuletzt vertragslos) bekommen und wesentlich mehr abgegeben. So ist die Breite im Kader natürlich geringer geworden. Mit Marco Küntzel und Patrick Neumann haben wir aber die Qualität schon gehoben. Andererseits hat man als Trainer immer im Auge, dass man mehr machen kann. Man hat aber insbesondere im letzten Testspiel am Wochenende gegen den TSV Aindling gesehen, wo uns etliche wichtige Spieler ausgefallen sind, dass wir von der Breite qualitativ nicht so besetzt sind, dass wir solche Ausfälle ersetzen können. Es wäre also noch das ein oder andere Problemfeld zu bearbeiten gewesen. SchwabenSoccer: Wie verlief aus ihrer Sicht die Vorbereitung für die Rückrunde? Auf welche Aspekte haben sie in dieser Zeit am meisten Wert gelegt? Uwe Neunsinger: Ja gut, wir haben ein etwas zwiespältiges Gefühl. Wo wir sehr gut gearbeitet haben war im körperlichen Bereich, wo wir das ein oder andere Defizit haben aufarbeiten müssen. Wir konnten auch fast nichts anderes machen, da wir auf den Plätzen nicht trainieren konnten. Auf der Laufbahn war alles vereist. Da muss ich natürlich Tobias Lutz mit seinem Impuls Fitnessclub in Thannhausen ein großes Dankeschön und Kompliment aussprechen, der uns da wirklich sehr unterstützt hat. Er hat uns seine Fitnesstrainer zur Verfügung gestellt und Abwechslung ins Programm gebracht. Körperlich sind wir in einem sehr ordentlichen Zustand, da sind wir im Soll. Spielerisch gesehen haben wir enorme Defizite, da wir wegen der Plätze einfach nicht trainieren konnten, und wir ja auch neue Spieler zu integrieren haben und Umstellungen vornehmen wollten. SchwabenSoccer: Der Klassenerhalt ist ja das primäre Ziel der TSG Thannhausen. Welche Dinge muss die Mannschaft in der Restserie „richtig“ machen, damit sie die nötigen Punkte einfährt? Uwe Neunsinger: Das erste ist, dass wir definitiv die Quote an Gegentoren reduzieren müssen, da die Mannschaft über 2 Tore pro Spiel bekommen haben. Das kannst du vorne nicht erzielen. Wir müssen erst mal versuchen eine defensive Grundordnung herzustellen, stabiler zu stehen und dann natürlich versuchen auf der Basis einer geordneten Defensive nach vorne etwas zu erarbeiten. Man muss natürlich schon sagen, dass mit unserem Kader die offensive Quelle nicht so vorhanden ist, um eine Siegesserie zu starten, weil mit dem Stefan Selig und Wilson Onyemaeke zwei Basisspieler auch mit Sicherheit in den nächsten Wochen ausfallen. Mir müssen hinten in der Defensive stehen und dann mit einer gewissen Effizienz z.B. über Standardsituationen zum Erfolg zu kommen. Stefan Selig (links) und Wilson Onyemaeke (Bildrechte: TSG Thannhausen) SchwabenSoccer: Letztes Wochenende wäre ja der offizielle Start für die Bayernliga gewesen, welche ja den winterlichen Bedingungen zum „Opfer“ gefallen ist. Wie halten sie die Mannschaft bei Laune bzw. haben sie eine bestimmte Methodik, um die Konzentration in der Mannschaft hoch zu halten? Uwe Neunsinger:: Na ja, wir haben am letzten Sonntag gegen den TSV Aindling gespielt. Und da waren wir trotz der Ausfälle absolut untauglich für Bayernligaverhältnisse. Und von daher gesehen ging es nicht darum die Mannschaft bei Laune zu halten, sondern die Sinne zu schärfen. Wir haben auch ziemlich deutliche Worte gefunden, weil wir auf dem Niveau wo wir gegen Aindling gespielt haben, nicht antreten können. Man kann mal verlieren, man muss aber am Limit spielen. Dieses werden bzw. haben wir der Mannschaft diese Woche verdeutlichen/t. Es geht nur mit absolutem Willen und Konzentration. Die Mannschaft muss in einem ordentlichen Spannungszustand für das Punktspiel am Samstag gegen den SV Memmelsdorf sein. SchwabenSoccer: Denken sie, dass der Faktor Fans für die kommenden Aufgaben insbesondere zu Hause wichtig ist? Uwe Neunsinger: Absolut. Wenn wir einen 12 Mann hinter uns hätten, wäre es natürlich sehr gut, weil wir nicht die Mannschaft haben, die mit Selbstbewusstsein jeden Gegner „wegschießt“, da auch viele junge Spieler auf dem Feld stehen. Am Samstag werden bestimmt vier bis fünf 19 bzw. 20-jährige auf dem Feld stehen. Da ist es wichtig, dass die Mannschaft von außen Unterstützung erfährt. Andererseits muss man sich das Vertrauen der Fans zurückerarbeiten, wenn man so eine Vorrunde wie heuer spielt. SchwabenSoccer: Auch wenn sie „nur“ für den sportlichen Teil bei der TSG Thannhausen zuständig sind, spüren sie seitens der Abteilungsleitung einen „gewissen“ Druck, da ja ein möglicher Abstieg unter Umständen finanzielle Einbußen zur Folge hätten? Uwe Neunsinger:: Den Druck machen wir uns ja selber. Ich bin bisher in 31 Jahren Fußball nicht abgestiegen, weder als Spieler noch als Trainer. Ich habe nicht vor, dass sich das jetzt ändert. Auf der anderen Seite hat der Verein sicherlich Weichen zu stellen, egal wie die Sache weiter geht. Wenn der Verein „drin“ bleibt, dann muss man sicher eine ganze andere Planung machen wie in dieser Saison, insbesondere im strukturellen Bereich. Das geht uns aber „nichts“ an, da wir als Angestellte sehen müssen, dass wir so arbeiten bzw. alles dafür tun, um die Klasse zu halten. Das werden wir von unserer Seite aus tun. Man muss aber wissen, dass die Ausgangssituation für uns „katastrophal“ ist. Wir haben 4 Punkte Rückstand mit einem Spiel mehr. Dann kommt das Nachholspiel des VfL Frohnlach gegen die SpVgg Ansbach. Wenn dieses Spiel einen Sieger findet, dann sind wir 7 Punkte hinten „dran“. Wir haben dann nur noch 15 Spiele und sind am allerletzten Spieltag spielfrei, wo dann immer mal ungewöhnliche Ergebnisse zu Stande kommen. Wir brauchen normalerweise 42 Punkte um nicht direkt abzusteigen und derzeit haben wir 18 Punkte. Also brauchen wir 8 Siege in 15 Spielen. Das ist eine Bilanz, über die ganze Saison gesehen, mit der man normalerweise 5ter oder 6ter wird. Diese Serie zu spielen ist natürlich kein Selbstläufer, auch wenn das der ein oder andere im Umfeld anders sieht; das ist illusorisch. SchwabenSoccer: Blicken wir doch kurz voraus. Ist die Länge ihres Engagements bei der TSG Thannhausen vom Klassenerhalt abhängig? Uwe Neunsinger: Von meiner Seite aus nicht. Ich habe keinen Automatismus im Kopf, dass ich bleibe, weder bei Klassenerhalt noch bei Abstieg. SchwabenSoccer: Man wird sich also zu gegebenem Zeitpunkt unterhalten? Uwe Neunsinger: Ja, wenn das so vom Verein gewünscht ist. Wir müssen uns jetzt aber auf das Sportliche konzentrieren. Alles andere sind nur Nebengeräusche, die uns nur ablenken. SchwabenSoccer:: Vielen Dank Herr Neunsinger für das Interview und wir wünschen ihnen und der TSG Thannhausen eine erfolgreiche Rückrunde in der Bayernliga. |
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