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Interview mit Chefcoach Stephan Wuttge vom TSV Kottern

25.08.2010

 

SchwabenSoccer hat mit TSV-Kottern Coach Stephan Wuttge, dem Trainer des aktuellen Tabellenführers in der Landesliga-Süd gesprochen.

Stephan Wuttge

Stephan Wuttge (Bildrecht: TSV Kottern)

SchwabenSoccer: Herr Wuttge, bevor wir über den TSV Kottern sprechen würde es unsere SchwabenSoccer Fans interessieren, seit wann sie denn im Trainergeschäft tätig sind und was bis dato ihr größten sportlichen Erfolge waren?

Stephan Wuttge: Ich bin seit 1990 im Trainergeschäft. Ich habe in meinem Heimatort Betzigau die A- und B-Jugend trainiert. Dann habe ich dort die 1. Mannschaft des TSV Betzigau 1994 übernommen, wo wir dann von der heutigen Kreisklasse (damals noch B-Klasse) bis hin in die Bezirksoberliga (BOL) aufgestiegen sind. Dann bin ich im Jahre 2000 zum TSV Kottern gegangen, wo ich bis 2004 in verschiedenen Ligen wie der BOL und der Landesliga tätig war. Danach habe ich mich 1 Jahr zurückgezogen und bin zum TSV Altusried gegangen. Und jetzt bin ich seit Juli 2010 wieder in Kottern gelandet.

SchwabenSoccer: Sie haben ja in dieser Saison das Erbe ihres erfolgreichen Vorgängers Bernd Kunze beim TSV Kottern angetreten, der ja den Aufstieg in die Landesliga-Süd geschafft hat. Mussten sie das Feld neu bestellen oder konnten sie mit einer gewissen Kontinuität die Arbeit beim TSV fortsetzen?

Stephan Wuttge: Zum ersten, Bernd und ich wir sind sehr gute Freunde. Das Feld neu bestellen denke ich muss man bei keinem Verein. Wenn man eine erfolgreiche Meistermannschaft übernimmt,  dann kann man Glück haben, und man hat die Mannschaft relativ beinander.  Das war der Fall in Kottern und wir konnten uns noch gezielt verstärken. Und das ist im Moment der Grundstein des Erfolgs, dass wir kaum Abgänge hatten und gute Neuzugänge bekommen haben. Deswegen läuft es im Moment ganz gut.

SchwabenSoccer: Auf welche Aspekte legen sie in der täglichen Trainingsarbeit insbesondere Wert und welche Spielphilosophie wollen sie der Mannschaft vermitteln?

Stephan Wuttge: Ich lege ganz großen Wert auf Respekt untereinander.  Das heißt Respekt gegenüber dem Betreuer, dem Mannschaftskollegen, dem Trainer, dem  Schiedsrichter und dem Umfeld. Da habe ich jetzt 6 Wochen lang Arbeit gehabt und bestimmt Sachen ausmerzen können, z.B. wenn man im Training einen Fehlpass spielt und nicht rummeckert, wenn der eine rechts mitläuft und der Spieler links abspielt.  Das passiert halt so, weil jeder Spieler seine Gedanken hat.  Wir haben ja 10 andere Leute, die diesen Fehler ausmerzen können, ohne Geschrei und Vorwürfe.

Dann lege ich Wert auf schnelle und direkte Passfolgen mit der 2-Kontaktregelung. Da ist unsere tägliche Arbeit, wenn wir 3 mal die Woche trainieren. Das mache ich eigentlich seit dem ich mit dem Trainingsbetrieb angefangen habe, dass man diese Formen umsetzt.                        

SchwabenSoccer: Nach 7 Spieltagen sind sie mit dem TSV Kottern Tabellenführer. Für viele Experten ist das die Sensation schlecht hin. Ist das nur eine Momentaufnahme oder können wir den TSV Kottern über die ganze Saison hinweg in der Spitzengruppe erwarten?

Stephan Wuttge: Selbst für uns war das etwas überraschend, dass wir uns jetzt da oben so gut halten können. Nur wenn man die Spiele gesehen hat, dann ist das nicht von ungefähr gekommen. Wenn man zwischen den Zeilen liest, dann haben wir einige gute und routinierte Spieler, die auch höher klassig gespielt haben. Das andere ist, dass wir eine sehr homogene Mannschaft haben, die mit 15-17 Leuten sehr gut auftritt und sich auf dem Platz sehr gut als Einheit präsentiert. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg. 

SchwabenSoccer: Beschreiben sie doch mal mit drei Worten den Charakter ihrer Mannschaft?

Stephan Wuttge: Ausgeglichen, homogen und spielstark. 

SchwabenSoccer: Gibt es den aktuell überhaupt irgendwelche Schwächen in ihrem Team, also Punkte die verbesserungswürdig sind?

Stephan Wuttge:  Wenn man das Spiel gegen Gerolfing nimmt, wo wir in den ersten 15 min 5 Tore schießen, dann kann es genauso gut anders herum laufen und wir auch 2 Gegentore bekommen können. Da haben wir etwas Glück gehabt. Positionsbezogenes Fußballspiel ist eine Sache, denke ich, die jede Mannschaft macht. Aber wenn du nicht ständig die jungen Leute, die wir in der Mannschaft haben, auf die Positionen zurückholst, dann schleichen sich Fehler ein, besonders wenn du 1:0 oder 2:0 führst. Das muss man ausmerzen und dort den Hebel ansetzen. Da haben wir noch ein paar Abstimmungsprobleme. 

SchwabenSoccer: Welche Spieler haben sich aus ihrer Sicht bis dato als Führungs- bzw. Schlüsselspieler beim TSV Kottern herauskristallisiert?

Stephan Wuttge: Schlüsselspieler ist vielleicht das falsche Wort.  Wir haben Spieler eingesetzt wie den Sinan Yilmaz, der 5 Tore schießt. Er hat letztes Jahr im offensiven Mittelfeld gespielt und spielt jetzt eher die defensive Variante bzw. die 6er-Position.  Er ist da einer der riesen Alarm macht und riesen Tempofußball nach vorne spielt und gefährlich ist. Zu dem macht er sehr gut nach hinten zu und ist zweikampfstark. Er ist einer der sich sehr weiterentwickelt hat. Er war schon immer ein guter Spieler, ist aber in diesem Jahr explodiert.

Sinan Yilmaz (Bildrecht: TSV Kottern)

Dann haben wir natürlich die Mannschaft. Ich sage immer, der Erfolg kommt aus der Mannschaft. Uns zeichnet im Moment aus, dass wir eine kompakte Einheit auf dem Fußballplatz sind, wo der eine oder andere mal einen schwächeren Tag hat, aber der andere wieder einen stärkeren Tag erwischt. Deswegen haben wir Erfolg.

Erfolg ist auch da, weil wir eine eingespielte Defensive haben, auch wenn ab und zu mal leichtsinnige Fehler passieren. Der Schlüssel zum Erfolg ist auch eine gute Defensive. Und der große Vorteil von uns im Moment ist, weil wir in der Offensive nicht ausrechenbar sind. Wir sind da personell sehr gut besetzt, weil jeder Tore schießen kann. Also Yilmaz mit 5 Toren, der Daniel Eisenmann  links mit 3 Toren, der Manuel Wiedemann rechts mit 4 Toren,  Axel Fuchsenthaler mit 3 Toren und Patrick Wachter  mit 2 Toren.

SchwabenSoccer: Wird ihnen der aktuelle Erfolg nicht manchmal unheimlich, da ja auch die Erwartungshaltung im Umfeld automatisch steigt?

Stephan Wuttge: Ich glaube unheimlich muss uns das nicht werden. Man sollte diese Momente bzw. diese schönen Erfolge mit Stolz betrachten und sagen, „Mensch die Mannschaft ist klasse“. Du als Trainer darfst da mitwirken und kannst deinen Teil dazu beitragen. Man ist stolz auf die Mannschaft, die 7 Spiele wirklich klasse gespielt hat.  Wenn’s dann mal ein bißerl weniger wird bzw. man in ein Loch fällt, dann haben wir viele Punkte, die uns dann in der Tabelle nicht so weit zurückwerfen. Selbst wenn wir 1 oder 2 Spiele verlieren wirft uns das nicht zurück, weil wir so gefestigt sind.

SchwabenSoccer:  Wie ist denn ihre vertragliche Situation beim TSV Kottern geregelt?

Stephan Wuttge: Als wir uns damals zusammen gesetzt haben, hat der Herr Biermaier (Sprecher der Abteilungsleitung) und der Herr Feneberg (Sportlicher Leiter) mir klar zu verstehen gegeben, dass sie eher längerfristig planen.

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Thomas Biermaier (Bildrecht: TSV Kottern)   

Die wollen keinen Trainer, der nur 1 Jahr da bleibt. Ich habe einen 2-Jahresvertrag. Und ich glaube, dass im Moment alle eine sehr gute Arbeit abliefern. Wir sind sehr gut aufgestellt beim TSV Kottern, und wir verstehen uns sehr gut. Die Zielsetzung beim TSV Kottern ist Kontinuität, wo man keine Schnellschüsse macht und sich die Leute gezielt aussucht. Als Trainer braucht man auch eine gewisse Sicherheit, und ich bin derjenige der auch eine gewisse Kontinuität braucht.

SchwabenSoccer: Herr Wuttge, vielen Dank für das Interview mit SchwabenSoccer. Wir wünschen ihnen und dem TSV Kottern alles Gute in der Saison 2010/2011.

Die 1. Mannschaft des TSV Kottern in der Saison 2010/2011

Mannschaftsfoto 1. Mannnschaft

Bildrecht: TSV Kottern

 

hintere Reihe von links:

Kevin Siegfanz, Sinan Yilmaz, Tobias Lingg, Erhan Erden, Tolga Altan, Stefan Liebert, Ivan Buhic, Patrick Wachter, Christian Geiger

mittlere Reihe von links:

Trainer Stephan Wuttge, Co-Trainer Jürgen Heruth, Roman Plesche, Andreas Harteis, Daniel Eisenmann, Manuel Wiedemann, Dominic Klement, Axel Fuchsenthaler, Physiotherapeut Ralph Grosse, Torwarttrainer Timur Senol

 

vordere Reihe von links:

Betreuer Helmut Maurus, Christoph Holweger, Murat Künc, Lukas Frasch, Martin Gruber, Michael Köcheler, Fitnesstrainer Roland Aniser

 

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