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Interview mit Armin Bernard, Bayerns Futsal-Beauftragter

15.12.2010



Boomt Futsal? – Armin Bernard, Bayerns Futsal-Beauftragter im Gespräch

Futsal führt in Bayern im Vergleich zum traditionellen Hallenfußball noch ein Schattendasein, die Anzahl der Fans der Sportart ist noch überschaubar und auch die Zahl der aktiven Futsal-Spieler und – Spielerinnen kann nicht mithalten mit der Anzahl der Aktiven, die im Winter dem traditionellen Hallenfußball frönen. Dabei ist Futsal die einzige von der FIFA anerkannte Variante des Hallenfußballs. Die größten Unterschiede zum in Bayern traditionell gespielten Hallenfußball sind dabei der Ball, der kleiner und weicher und dementsprechend besser zu kontrollieren ist, die fehlende Rundum-Bande und ein strengeres Regelwerk, das ein körperloseres Spiel erfordert. In Bayern wird seit einigen Jahren beides gespielt und ebenso lange wird kontrovers diskutiert, welche Variante die der Zukunft ist. Da lohnt eine Bestandsaufnahme mit Bayerns Futsal-Beauftragtem Armin Bernard.

Herr Bernard, pünktlich zur Wintersaison kommt natürlich auch das Thema Futsal und Hallenfußball wieder auf. Seit Jahren wird kontrovers diskutiert, wie sich diese beiden Fußballvarianten in Bayern entwickeln. Wer macht denn nun das Rennen?

Armin Bernard:
Das kann man so pauschal nicht beantworten. Natürlich ist der traditionelle Hallenfußball
nach wie vor die Nummer eins, aber Futsal hat sich auch in Bayern in den letzten Jahren spürbar weiterentwickelt. Für einen echten Boom fehlt allerdings ein klares Bekenntnis zu dieser offiziellen Variante.

Das heißt?

Armin Bernard:
Die Haltung des BFV zum Futsal ist: Jeder kann, keiner muss! Der Hintergrund ist dabei, dass der
traditionelle Hallenfußball in Bayern tatsächlich auch eine Tradition hat und sich seit Jahrzehnten großer Beliebtheit erfreut. Dass man sich dabei nicht im Hauruck-Verfahren und „von Oben“ gegen die Tradition entscheidet, ist nachvollziehbar. Als Futsal-Beauftragter sage ich aber auch: Wenn man in die Zukunft schaut, muss man akzeptieren, dass Futsal die einzige anerkannte Form des Hallenfußballs ist. Will man den Anschluss – national und international - nicht verlieren, muss man sich Gedanken machen, wie man Futsal stärkt. Eine Möglichkeit wäre natürlich, den Meisterschaftsbetrieb komplett auf Futsal umzustellen.

Die Aktiven und die Vereine sind wettkampforientiert, eine Umstellung würde deshalb in kürzester Zeit dafür sorgen, dass Futsal populärer würde. Letzten Endes geht es natürlich darum, alle Verantwortlichen, die Aktiven und die Vereine zu überzeugen. Das geht nur nicht von heute auf morgen.

Wenn Sie sagen, dass Hallenfußball in Bayern eine Tradition hat, hört sich das so an, als wäre das im Rest Deutschlands anders.

Armin Bernard:
Es ist tatsächlich so, dass alle anderen Landesverbände in ihrem Hallen-Meisterschaftsbetrieb
ausschließlich Futsal spielen. Es gibt aber auch keinen anderen Landesverband, wo der traditionelle Hallenfußball einen ähnlich hohen Stellenwert genießt wie in Bayern. Mit Abstrichen am ehesten noch in Ostdeutschland.

Eine Umstellung des Meisterschaftsbetriebs würde Futsal sicherlich deutlich aufwerten. Aber gibt es nicht auch andere Argumente, mit denen man die Vereine und noch viel wichtiger die Spieler und Spielerinnen überzeugen kann. Zwang ist bekanntlich selten der richtige Weg?

Armin Bernard:
Zunächst muss man klarstellen, dass es nicht so ist, dass in Bayern niemand Futsal spielt oder spielen will.
Schauen Sie sich im Junioren-Bereich die U15 an. U15, weil dort nach der Bayerischen Meisterschaft auch noch die Süddeutsche und später die Deutsche Meisterschaft ausgespielt werden. Das lässt sich am besten vergleichen und einordnen. In ganz Deutschland gehen rund 1800 U15-Futsalmannschaften an den Start, alleine aus Bayern 600, also ein Drittel des Starterfeldes. Bayern ist demnach sogar überproportional stark vertreten. Nur auf die Gesamtzahl der bayerischen U15-Mannschaften erscheint 600 gering. Und auch in anderen Altersklassen ist Bayern nicht unterrepräsentiert. In 230 der rund 4500 bayerischen Vereinen wird Futsal gespielt. Auch das ist auf Gesamtdeutschland bezogen wiederum gut ein Drittel. So schlecht steht Futsal in Bayern also nicht da. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Natürlich gibt es viele Argumente, die für Futsal sprechen – vor allem sportliche. Wenn Sie mit Jugendlichen sprechen, die Futsal spielen, merken Sie ganz schnell: Futsal erfordert eine hohe Laufbereitschaft, eine gute Technik, man muss auch im Kopf schnell sein, Spielsituationen gut antizipieren, körperlich und koordinativ topfit sein. Alles Dinge, die der fußballerischen Förderungen zu Gute kommen. Dazu kommt, dass sich Erfolgserlebnisse unheimlich schnell einstellen. Durch die Eigenschaften des Futsal-Balls hat man eine wesentlich bessere Ballkontrolle. Die Begeisterung für den Sport und damit auch für Fußball stellt sich schneller ein. Da steckt jede Menge Potenzial drin. Nicht nur für Fußballvereine sondern beispielsweese auch für den Schulsport. Allerdings muss man sehr viel Aufklärungsarbeit leisten, denn alles was neu ist, wird in Deutschland generell erst einmal mit großer Skepsis betrachtet. Selbst mit einem Argument wie die wesentlich geringere Verletzungsgefahr, was nicht unerheblich ist für Aktive und Vereine, tun sich viele schwer. Die Überzeugung kommt leider meist erst, wenn Futsal einmal ausprobiert wurde. Und das ist natürlich für ein Land wie Bayern ein langer Prozess.

Es gibt nicht wenige, die sagen, dass gerade durch die Eigenschaften des Balls eben diese fußballerische Entwicklung nicht gegeben sei, weil Futsal schlichtweg eine andere Art ist, Fußball zu spielen.

Armin Bernard:
Die sollten sich dann mal die brasilianische Nationalmannschaft anschauen. Brasilien macht es uns doch
vor. Alle großen aktuellen und ehemaligen Stars, egal ob sie Robinho, Ronaldinho oder Ronaldo heißen, sie alle haben mit Futsal angefangen – Giovane Elber übrigens auch. Dafür, dass Futsal kontraproduktiv sein soll, haben die es dann ganz schön weit gebracht. Leider gibt es in Deutschland keinen echten Straßenfußball mehr. Mit einer Straßenfußballkultur wäre das Verständnis für Futsal und die Bereitschaft, sich auf diese Sportart einzulassen, wesentlich höher. Diese Stars sind übrigens auch das beste Gegenbeispiel dafür, dass Futsal dauerhaft Fußballtalente binden würde. Diese Sorge gibt es ja auch. Aber Fußball ist einfach Fußball. Zum Fußball auf dem großen Feld mit elf gegen elf gibt es keine ernsthafte Konkurrenz.

Warum entwickelt sich Futsal bei so vielen Vorteilen dann so relativ langsam? Es müsste sich doch in kürzester Zeit eine große Fangemeinde finden.

Armin Bernard:
Wir haben ja bei aller Aufklärungsarbeit, die noch nötig ist, auch strukturelle Probleme, die derzeit kaum
zu lösen sind. Zwei Hallenfußballvarianten gleichberechtigt nebeneinander gehen in Bayern schlichtweg nicht. Das geben schon alleine die Hallenkapazitäten und die benötigten Hallenzeiten nicht her. Abgesehen davon, dass das auch noch alles irgendwie bezahlt werden müsste. Dazu die Dreifachbelastung „Fußball auf dem Platz“, „traditioneller Hallenfußball“, „Futsal“ – das ist auch für Aktive kaum lösbar.

Das hört sich deprimierend an.

Armin Bernard:
Einerseits schon, andererseits gibt es Beispiele, die Mut machen und die zeigen, dass es funktionieren
kann, wenn man will. Im Kreis Inn/Salzach gibt es zwei Futsalligen mit Auf- und Abstieg. Es wurde ein Sponsor gefunden, mit dessen Unterstützung dieser Spielbetrieb gestemmt werden kann. Und auch die Qualität stimmt. Mitte November hat die Herren-Bayernauswahl zum Beispiel ein hochkarätig besetztes Turnier des Süddeutschen Fußball-Verbandes gewonnen. Gegen Landesverbände, die strukturell im Futsal viel weiter sind. Jetzt muss man mal überlegen, wie viel Potenzial in ganz Bayern noch schlummert. Das macht Mut.

Wie erklären Sie sich, dass sich auch die Öffentlichkeit mit Futsal so schwer tut?

Armin Bernard:
In der Tat sind die Zuschauerzahlen bei den Futsalturnieren nicht zufriedenstellend. Natürlich spielt auch
hier die Tradition eine große Rolle. Ich denke auch, dass viele Zuschauer einfach „Action“ wollen, viele Zweikämpfe und die Duelle an der Bande. Und Futsal bietet das nicht, was nicht heißt, dass es nicht für Zuschauer interessant wäre. Futsal ist schneller als der traditionelle Hallenfußball, trickreicher, eleganter.
Wirklich schön anzusehen, aber für die Zuschauer eben eine andere Art der Unterhaltung. Wer mal die Übertragung der Futsal-WM im Fernsehen gesehen hat, der weiß, dass auch dort eine tolle Stimmung auf den Rängen herrscht. Aber Gewohnheiten gibt man nicht so schnell auf. Natürlich kommt dazu, dass auch die Organisation eines Futsal-Turniers komplexer ist. Man benötigt zwei Schiedsrichter pro Spiel. Das ist natürlich auch ein Kostenfaktor. Aber es gibt nichts, was man nicht in den Griff bekommen könnte.

Was macht man zum Beispiel mit der Netto-Spielzeit? Ist das für Turniere nicht tödlich? Turniere ziehen ihren Reiz doch aus der Action, dass es Schlag auf Schlag geht, viele Teams, schnelle Entscheidungen.

Armin Bernard:
Es gibt wie gesagt nichts, was man nicht in den Griff bekommen kann. Je kürzer die Spielzeit ist, desto
mehr geht erfahrungsgemäß der Charakter des Futsal verloren. Trotzdem gibt es genug Spielraum. Man muss ja nicht bei jeder Unterbrechung automatisch die Zeit anhalten. Solche Dinge kann man vorab klären, da muss man einfach flexibler sein. Wenn man aber von vornherein nicht bereit ist, sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, wird es natürlich schwierig.

Was wünschen Sie sich demnach für die anstehende Hallensaison?

Armin Bernard:
Zum einen natürlich, dass die Futsal-Turniere, die stattfinden, für alle Beteiligten erfolgreich verlaufen
und dazu beitragen, dass die Sportart hier in Bayern wieder ein Stück populärer wird, zum anderen, dass Vorbehalte über Bord geworfen werden und sich die Vereine und Trainer einfach mal mit Futsal beschäftigen. Dann bin ich überzeugt, dass sich mittelfristig – also sagen wir mal in fünf, sechs Jahren – die Frage, welche Variante die der Zukunft ist, nicht mehr stellt. Dann wird die Mehrheit Futsal spielen und alles Weitere kommt dann auch von selbst.

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Baykul Gürlek Allianz Hauptvertreter
 

 
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