Interview mit Alfred Sahl, 1. Präsident des TSV Firnhaberau | ||||
| 09.11.2009 | ||||
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SchwabenSoccer hat mit Alfred Sahl, dem 1. Präsidenten des TSV Firnhaberau über das zukunftsweisende Projekt Kunstrasen gesprochen. SchwabenSoccer: Herr Sahl, wann ist denn die Idee mit dem Kunstrasenplatz entstanden? Alfred Sahl: Die Idee ist vor ca. 2 Jahren entstanden. Ich hatte die Beratungsmöglichkeit seitens des Sport- und Bäderamtes in Augsburg bzgl. der Fußballfelder in Anspruch genommen, die man als Verein hat, wenn man Rasensport betreibt. Da hatte ich einen Fachmann auf unserem Gelände, und der hat mit mir zusammen unsere Rasenflächen besichtigt, damit wir wissen, was wir denn an Rasenpflege tun können. Das Ergebnis war, dass wir auf dem Hauptfeld düngen müssen bzw. verschiedene Maßnahmen ergreifen müssen. Als wir dann unser Trainingsfeld im Anschluss besichtigt haben, hat sich herausgestellt, dass es in solch einem katastrophalen Zustand ist, dass eine Pflege oder Aufrüstung in irgendeiner Form einfach unmöglich ist und jeder Euro falsch investiert wäre, wenn man hier etwas machen würde. SchwabenSoccer: Wann und wie wurde denn aus der Idee ein konkretes Projekt? Alfred Sahl: Ich habe mir dann Gedanken gemacht, was für Kosten auf uns zukommen würden, wenn man unser Hauptfeld, neu umpflügen, planieren sowie neu ansähen hätte müssen. Zudem wäre das Feld dann 12 Monate unbespielbar. In diesem Zusammenhang macht man sich Gedanken über die Kosten und die Dauer. Es hat sich auch herausgestellt, dass ein Neuansetzen eines normalen Rasenfeldes erst mal in der Größenordnung so zwischen 80.000,- Euro bis 150.000,- Euro liegt. Und dann ist mir die Idee, mit dem Bau eines Kunstrasens gekommen. Kunstrasen ist heute auf einem sehr hochwertigen Stand, nicht wie vor 15-20 Jahren, als die ersten Kunstrasenfelder gebaut wurden und das ein oder andere noch ein richtiges Manko war. Auf diesem Gebiet hat sich sehr viel getan. Der große Vorteil liegt darin, dass das Feld in relativer kurzer Bauzeit fertig gestellt werden kann. Zum Beispiel versichert der Hersteller, wenn alle Planungen stimmen, lässt sich ein Kunstrasenfeld in 6 Wochen realisieren. Der Ausfall für den Verein wären damit nur ca. 6 Wochen, was ein grundsätzlicher Unterschied zu 12 Monaten bei einem Naturrasen Feld der Fall wäre. SchwabenSoccer: Am 14.03.2009 hat sich ja dann die Generalversammlung des TSV Firnhaberau nahezu einstimmig dafür ausgesprochen, das Projekt Kunstrasen weiter zu verfolgen, wenn die Stadt Augsburg und der BLSV es bezuschussen. Welche Entwicklungen hat es denn seit dem gegeben? Alfred Sahl: Es war es noch ein steiniger Weg, bis im Verein alle überzeugt waren. Aber letztlich hat dann die Präsentation bzw. die Überzeugungskraft, dass das Projekt etwas Sinnvolles ist, dazu beigetragen, dass letztlich von allen zugestimmt wurde und wir die Zuschüsse bekommen. Es folgte ein langer Behördengang bis wir wirklich so weit waren, um Nägel mit Köpfen zu machen. Von der Besichtigung ähnlicher Kunstrasenfelder, bis hin zur Feststellung. Wenn man so etwas machen will, muss es heute, wenn es bezuschusst werden soll, ein DIN-Feld werden. Also muss es einem Standard entsprechen, der, wenn sie so wollen, Bundesligareif ist. Anders bekommt man solch ein Feld nicht mitfinanziert und dann könnte man auch nicht bauen. SchwabenSoccer: Wie war es denn letztendlich mit den politischen Entscheidungen? Alfred Sahl: Die politischen Entscheidungen bei solch einem Bau sind sehr maßgebend und wichtig für die Umsetzung des ganzen Projektes. Da hatte ich das Glück, dass ich Mitglied im Sportbeirat der Stadt Augsburg bin. Vom Amtsleiter der Stadt Augsburg habe ich erfahren, dass auch er das für eine gute Idee hält und habe das erst mal weiter getragen. Sprich, ich habe die Planungen dann so weit vorangetrieben, dass ich es beim BLSV einreichen konnte. Von dort haben wir dann im Vorantrag erst mal die Möglichkeit bekommen, einen Hauptantrag zu stellen. Das hört sich alles sehr kompliziert an, was es auch in der Tat ist. Und mit diesem Hauptantrag konnte man dann hergehen, um sich über die Finanzierung entscheidend Gedanken zu machen. Erst wenn all diese Komponenten zusammengreifen, können sich die verantwortlichen beim BLSV Gedanken machen, ob sie so ein Projekt überhaupt finanzieren. Letztendlich war dann die Vorstellung im Sportbeirat sowie im Sportausschuss der Stadt Augsburg, die auch dort zu 100% Zustimmung fand. Dies war entscheidend dafür, dass wir so ein Kunstrasenfeld überhaupt bauen können. SchwabenSoccer: Für viele Fußball- bzw. Sportvereine ist ein eigener Kunstrasen ein Traum, der oft an der Finanzierung scheitert. Welche Summe muss denn der TSV Firnhaberau selbst stemmen, um an öffentliche Gelder zu kommen, damit das Gesamtprojekt realisiert werden kann? Alfred Sahl: Die Grundbedingung von dem begleitenden Kreditinstitut war, dass wir eine solide finanzielle Basis haben. Die haben sogar eine Bilanz unseres Vereines erstellt, ob wir denn in der Lage sind, über Jahre, selbst wenn es Schwierigkeiten gibt, das Projekt zu stemmen. Sie müssen dann konkret selbst zu diesem Bau 80.000,- Euro beibringen, also in echte Barleistung gehen. Den Rest, der noch fehlt, den können wir dann über einen Kredit bekommen, den wir dann abzahlen. Und die verbleibende Summe, auf die Gesamtsumme von ca. 440.000,- Euro, wird dann aufgeteilt zwischen dem BLSV und der Stadt Augsburg. Wobei hier immer das Prinzip gilt, einmal ein Drittel Zuschuss, zwei Drittel Darlehen oder umgekehrt. Das ist die Finanzierungsart, wobei sie dann natürlich die Überzeugungsarbeit beim Kreditinstitut leisten müssen, welches ganz kritisch die Sache in Augenschein nimmt, ob wir überhaupt gesund bzw. in der Lage sind, so etwas zu stemmen. SchwabenSoccer: Sind denn Spendengelder der größte Anteil der privaten Finanzierung seitens des TSV Firnhaberau, oder muss der Verein selbst tief in die Tasche greifen? Alfred Sahl: Ja, wir müssen natürlich beides. Ich habe z.B. eine echte Marketingaktion mit Flyern und allem Möglichen gestartet, um Spenden zu bekommen. 20.000,- Euro ist die Zielsetzung, die wir an Spenden aufbringen müssen. Im Moment haben wir an Spendengeldern, bevor wir überhaupt bauen, schon 14.000,- Euro zusammen. Wenn die 20.000,- Euro erreicht sind, dann kommt eine Eigenleistung von nochmal 20.000,- Euro dazu, und 40.000,- Euro brauchen sie dann in bar, die sie auf den Tisch legen müssen. Anders gesagt, die 80.000,- Euro müssen komplett sein, egal wie sie diese zusammenbringen. SchwabenSoccer: Welche Bedeutung hat denn die Verfügbarkeit über einen Kunstrasen sowohl sportlich (aus Vereinssicht) als auch finanziell (als Einnahmequelle) gesehen? Alfred Sahl: Grundsätzlich kann man sagen, dass wir der erste Verein in Augsburg sind, der so etwas aus eigener Kraft macht, also keine städtische Anlage. Die Stadt Augsburg baut ja auch ein Kunstrasenfeld für die Frauenfußball-WM 2011. Wir sind also überhaupt der erste Verein, der ein Kunstrasenfeld mit eigenen Mitteln erstellt. Bedeutend ist auf der einen Seite der potentiell rege Zuwachs an Mitgliedern, die wenn der TSV Firnhaberau einen Kunstrasen baut, sagen, wir gehen dann dorthin zum Fußballspielen und auf der anderen Seite natürlich die eigene Mitglieder, die bei schlechtem Wetter aus den Pfützen rauskommen würden und richtig Sport treiben können. Letztendlich gibt es jetzt schon Interessenten und Nachfragen ob der Platz dann zu Mieten ist. Die genannten Dinge waren aber nicht die Hauptpriorität unserer Aktivität. Priorität eins war, die Vereinsinteressen sicherzustellen, und wenn dann noch Kapazität bleibt, würden wir ihn auch vermieten. SchwabenSoccer: Die Instandhaltung eines Kunstrasens ist ja mit Kosten verbunden. Wie hoch schätzen sie die jährlichen Instandhaltungskosten? Alfred Sahl: Ich rechne im Jahr mit ca. 8.000,- Euro an Instandhaltungskosten. Das ist aber nur ein Bruchteil dessen, was sie für die Pflege eines Rasenfeldes aufbringen müssen. SchwabenSoccer: In welchem Zeitraum schätzen sie denn, dass man den Eigenanteil an der Finanzierung refinanziert hat? Aflred Sahl: Das Feld selbst hat eine Spielgarantie von 15 Jahren. Wir wollen unseren Anteil, denn wir über die Bankenfinanzierung aufnehmen, in 5 Jahren fertig haben.Für den zinslosen Rest, den wir über die Stadt Augsburg und den BLSV bekommen, schätze ich, dass wir ca. nochmal 10 Jahre brauchen werden, bis dieser abbezahlt ist. SchwabenSoccer: Gehen wir doch auf den Kunstrasen selbst ein. Es gibt ja unterschiedliche Kunstrasentypen. Welche Generation an Kunstrasentyp ist denn für den TSV Firnhaberau geplant? Aflred Sahl: Wir werden uns für die neueste Generation entscheiden. Wobei es hier hauptsächlich Unterschiede in der Dämpfung des Rasens gibt. Der Teppich entspricht bei vielen Herstellern dem neuesten Stand. Aber der Unterbau ist der entscheidende Faktor, wo die großen Unterschiede entstehen. Wenn sie einen Unterbau von 15 cm Dämpfungsmaterial haben, dann haben sie natürlich einen ganz anderen Auftritt als mit 12 oder 10 cm. Hier entscheiden dann der Geldbeutel und der eigene Wunsch. Wir werden wohl den mittleren Weg gehen, weil die teuerste Version die ganze Geschichte noch mal wesentlich verteuern würde. SchwabenSoccer: Wird denn der Kunstrasen nur zu Trainingszwecken genutzt oder wollen sie eine Genehmigung beantragen, Spiele sowohl der Jugend- als auch der Erwachsenenmannschaften dort austragen zu können? Alfred Sahl: Wir brauchen eine Genehmigung. Wir werden den Kunstrasen für Wettkämpfe bzw. Punktspiele anmelden. Aber die Hauptnutzung wird für die Trainingseinheiten sein, die jeden Tag über Stunden bei den Kleinen am späten Nachmittag bis zu den Erwachsenen unter Flutlicht stattfinden. Eigentlich ist es unser Trainingsfeld, welches aber sicher im Falle von schlechtem Wetter genutzt wird um unsere Punktspiele dort auszutragen. SchwabenSoccer: Wann denken sie denn, dass der Kunstrasen offiziell in Betrieb genommen werden kann? Alfred Sahl: Wir brauchen ja unter anderem noch die amtliche Baugenehmigung oder den vorzeitigen Baubeginn des BLSV. Aber das fällt alles in die Winterzeit. Meine Vision bzw. Zielsetzung wäre der 1. Mai 2010. SchwabenSoccer: Vielen Dank Herr Sahl für das Interview und wir wünschen Ihnen und dem TSV Firnhaberau alles Gute bei der Realisierung des Projekts Kunstrasen.
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